Die Türkische Gemeinde in Deutschland beklagt den anhaltenden Widerstand von Politik, Ermittlungs- und Sicherheitsbehörden, den rassistischen Anschlag von Hanau lückenlos aufzuklären. Der Bundesverband kritisiert, dass sich insbesondere Menschen mit Migrationsgeschichte nicht mehr sicher in Deutschland fühlen, weil ihr Schutz nicht gewährleistet ist und der Mord an ihnen kein Interesse weckt.
„Ich will einen ähnlichen Fall von zehnfachem Mord in Deutschland sehen, bei dem Politik, Ermittlungs- und Sicherheitsbehörden so wenig Respekt und Einsatz gezeigt haben“, erklärt Gökay Sofuoğlu, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland. „Nach der Mordserie des NSU und dem Attentat im Münchener OEZ fällt mir lange keiner mehr ein. Seit sechs Jahren weigern sich gewählte Volksvertreter*innen und Behörden, die auch unser Leben schützen sollen, für die Sicherheit und den Seelenfrieden der Angehörigen zu sorgen. Ganz im Gegenteil fühlen sich die Angehörigen aufgrund dieser Tatenlosigkeit gezwungen, die Ermittlungen seit Jahren selbst in die Hand zu nehmen, wie aktuell Herr Kurtović, der den Rechtsweg auch bis zum Bundesverfassungsgericht und zum Europäischen Gerichtshof gehen will. Das ist ein absolutes Armutszeugnis.“
Mit dem Tod von Ibrahim Akkuş steigt die Zahl der aus rassistischen Motiven getöteten Menschen in Hanau auf zehn. Die Türkische Gemeinde in Deutschland beklagt eine Erinnerungskultur, bei der jährlich der Opfer gedacht wird, ohne dass die politisch Verantwortlichen die notwendigen Konsequenzen ziehen.
Gökay Sofuoğlu sagt: „Wir alle leben in Familien- und Freundeskreisen, sind Teil eines Kollegiums und von Nachbarschaften. Uns alle verbindet der Wunsch, dass es diesen Menschen gut geht. Der Anschlag in Hanau hat uns erneut schmerzhaft bewiesen, wie verletzlich dieses friedliche Zusammenleben ist. Umso zynischer wirkt es, wenn Verantwortliche dieses Vertrauen zusätzlich beschädigen, wie der damalige Innenminister Beuth, der Polizeipräsident Ullmann kurz nach dem Anschlag zum Landespolizeipräsidenten befördert hat, obwohl er für die schlecht besetzte Notrufstation in Hanau verantwortlich war. Oder auch die SEK-Beamten, die in Hanau im Einsatz waren, obwohl sie Teil rechtsextremer Chatgruppen waren. Rechtsextremismus mag anfangs bestimmte Gruppen treffen, am Ende betrifft er uns aber alle, weil der Hass keinen Halt kennt, wie uns unsere Geschichte zeigt.“
