Die aktuellen PISA-Ergebnisse sind ein deutlicher Weckruf für die deutsche Bildungspolitik. Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung in den zentralen Kompetenzbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Gerade dort, wo grundlegende Kompetenzen für den weiteren Bildungsweg und die gesellschaftliche Teilhabe vermittelt werden, zeigen sich erhebliche Herausforderungen.
Für den Bundesverband für Türkisch und Mehrsprachige Bildung (BTMB) ist dies kein Anlass, die Verantwortung bei den Schülerinnen und Schülern oder den Lehrkräften zu suchen. Vielmehr müssen die strukturellen Probleme des Bildungssystems endlich ernst genommen werden.
„Wenn sich die Leistungen in zentralen Bildungsbereichen über Jahre verschlechtern, muss die Politik fragen, ob unsere Schulen überhaupt noch die notwendigen Bedingungen für guten Unterricht haben“, erklärt der BTMB. Schulen stehen vor einem erheblichen Lehrkräftemangel, großen Lerngruppen, zunehmenden sozialen und sprachlichen Herausforderungen und fehlenden multiprofessionellen Unterstützungsangeboten.
Nicht an Kindern sparen – in Bildung investieren
Die Ergebnisse zeigen einmal mehr: Bildungsgerechtigkeit lässt sich nicht mit Appellen herstellen. Schulen benötigen ausreichend Personal, Zeit und finanzielle Ressourcen. Besonders kritisch sieht der BTMB, dass der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland weiterhin stark ausgeprägt ist. Kinder und Jugendliche dürfen nicht aufgrund ihrer familiären, sozialen oder sprachlichen Voraussetzungen schlechtere Bildungschancen haben. Eine gute Förderung der deutschen Sprache ist unverzichtbar. Gleichzeitig müssen die Familiensprachen der Schülerinnen und Schüler anerkannt, gefördert und als Teil ihrer Bildungsbiografie verstanden werden.
Der Herkunftssprachenunterricht braucht deshalb verlässliche Strukturen, qualifizierte Lehrkräfte und eine angemessene Ausstattung. Türkisch und andere Herkunftssprachen müssen gleichberechtigt ihren Platz im Bildungssystem erhalten.
BTMB fordert einen Kurswechsel
Der BTMB fordert Bund und Länder auf, die PISA-Ergebnisse nicht lediglich zu kommentieren, sondern
konkrete Konsequenzen zu ziehen:
- deutlich höhere und nachhaltige Investitionen in Bildung,
- eine wirksame Strategie gegen den Lehrkräftemangel,
- kleinere Lerngruppen und bessere personelle Ausstattung,
- mehr Schulsozialarbeit und multiprofessionelle Teams,
- gezielte Unterstützung sozial benachteiligter Schulen,
- eine Stärkung der frühkindlichen Bildung und Sprachförderung,
- einen flächendeckenden und qualitativ hochwertigen Herkunftssprachenunterricht,
- sowie bessere Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte
„Wer bei Bildung spart, spart an der Zukunft unserer Kinder. Gute Bildung braucht gute Bedingungen. Die Verantwortung für die aktuellen Entwicklungen darf nicht auf die Kinder, Jugendlichen und Lehrkräfte abgewälzt werden.“
Der BTMB appelliert an Bund und Länder, die aktuellen Ergebnisse als Auftrag für eine langfristige Reform zu verstehen. Unsere Schulen brauchen nicht noch mehr Anforderungen, sondern endlich die notwendigen Ressourcen, um ihren Bildungsauftrag erfüllen zu können.Jedes Kind hat das Recht auf gute Bildung und gleiche Chancen – unabhängig von sozialer Herkunft, Familiensprache oder Wohnort.
