Skip to main content

65 Jahre Anwerbeabkommen: Anerkennung für die erste Generation, Teilhabe für die nächsten

Pressemitteilung vom 30. Oktober 2026

Zum 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens würdigt die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) die Lebensleistung der ersten Gastarbeitergeneration. Gleichzeitig unterstreicht der Bundesverband viele Probleme, die sich aus den Versäumnissen der Vergangenheit für viele türkeistämmige Menschen heute ergeben, wie Altersarmut, mangelnde Chancengerechtigkeit und Integrationsdebatten, wenn es um junge Menschen geht.

„Beim 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens denke ich vor allem an die Verdienste der ersten Generation“, erklärt Gökay Sofuoğlu, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland. „Die Menschen haben damals ihre Familien und ihr Leben in der Türkei zurückgelassen und Deutschland aktiv zum Wirtschaftswunder verholfen. Ohne sie wäre der Wohlstand, den wir seit Jahrzehnten genießen, nicht möglich gewesen. Deshalb schmerzt es besonders, dass diese Menschen heute deutlich stärker von Altersarmut betroffen sind als Deutsche ohne Migrationsgeschichte. Das ist eben die Folge einer Politik, die die Realität der Einwanderung lange verdrängt hat“.

Nach dem Anwerbestopp war klar, dass viele Menschen aus der Türkei bleiben und ihre Familien nachholen würden. Doch anstatt guter Integrationspolitik haben Kohls Rückkehrprämie, Ausländerklassen und Ausländerbeauftragte, die vielleicht gute Ideen, aber keine politische Unterstützung hatten, die Entwicklungen geprägt.

Gökay Sofuoğlu sagt: Wir reden auch nach 65 Jahren noch über Integration statt über Teilhabe. Ich frage mich schon manchmal, in was sich junge Menschen integrieren sollen, die hier geboren wurden, hier aufwachsen und gar kein anderes Leben kennen. Ich möchte lieber darüber reden, dass Schüler*innen mit türkischen Namen immer noch seltener eine Gymnasialempfehlung bekommen, Menschen aufgrund ihres Namens die Wohnung oder den Job nicht bekommen oder schlechter auf dem Amt behandelt werden. Wir können es zu etwas bringen in Deutschland. Das sehen wir, wenn wir im Krankenhaus oder in der Schule sind, ins Restaurant gehen oder den Fernseher anschalten. Wir sehen aber auch, dass die Chancen in unserem Land immer noch ungerecht verteilt sind.“

Newsletter abonnieren


zum Newsletter-Archiv

Werden Sie Teil unserer Arbeit!

Unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende: