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Die Türkische Gemeinde in Deutschland kritisiert, dass Bundesinnenminister Dobrindt den polizeilichen Tätigkeitsbericht öffentlich inszeniert, während er die großangelegte Studie über Rassismus in deutschen Behörden bewusst ignoriert hat. Der Bundesverband warnt davor, die Ergebnisse der PKS zu ernst zu nehmen und sie als Studie zur Kriminalität in Deutschland zu lesen.

Mehtap Çağlar, Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland: „Die Veröffentlichung des polizeilichen Tätigkeitsberichts wird immer dazu genutzt, Stimmung gegen Menschen mit Migrationsgeschichte zu machen. Expert*innen kritisieren diesen Bericht schon seit Jahren dafür, dass er eben keine echte Erhebung zur Kriminalität in Deutschland ist. Es ist ein fatales Signal, wenn Herr Dobrindt die PKS persönlich zur Bühne macht, während er eine dreijährige, aufwendige Studie über Rassismus in deutschen Behörden vor wenigen Wochen stillschweigend an einem Freitagnachmittag veröffentlicht hat. Dieses Signal kommt in den Communitys auch so an.“

Expert*innen warnen seit Jahren davor, die PKS als Spiegelbild der tatsächlichen Sicherheitslage zu lesen. Sie ist lediglich eine Strichliste der polizeilichen Arbeit, keine belastbare Studie über die Ursachen von Delikten. Faktoren wie die Anzeigebereitschaft der Menschen und die Kontrolldichte der Polizei spielen für die Ergebnisse des Berichts eine entscheidende Rolle. Menschen, die als „fremd” wahrgenommen werden, tragen ein dreifach höheres Risiko, angezeigt zu werden, als Menschen, die als „deutsch” wahrgenommen werden. ​Während bei deutschen Tätern und Opfern nur in 7,9 % der Fälle die Polizei eingeschaltet wird, steigt die Anzeigequote bei nichtdeutschen Tatverdächtigen auf 22,4 %.

Es ist bekannt, dass Kriminalität primär soziale Ursachen hat“, erklärt Çağlar. „Dunkelfeldstudien beweisen, dass die Migrationsgeschichte keine Rolle mehr spielt, sobald Faktoren wie der Bildungsweg oder der sozioökonomische Hintergrund vergleichbar sind. Wenn wir also ernsthaft über Kriminalität in Deutschland reden wollen, brauchen wir Studien, die die Sozialstrukturen von Menschen beleuchten und keine Strichlisten der Polizei oder eine irreführende Aufteilung zwischen ausländischen und deutschen Straftätern.“

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